3. Seite Bewerbung


Im klassischen Aufbau der Bewerbung ist eine dritte Seite eigentlich nicht vorgesehen. Sie wurde unter der Annahme ins Spiel gebracht, dass man damit den Leser überraschen kann. Personaler rechnen nicht mit einer dritten Seite und fokussieren zwangsläufig ihre Aufmerksamkeit darauf. Hier kann man sich einen echten Vorteil gegenüber Kandidaten mit einer gewöhnlichen Bewerbung verschaffen. So lautet zumindest die Theorie. Im folgenden wird das Konzept der dritten Seite kurz vorgestellt und auch kritisch beleuchet.

Grundsätzlich dient die dritte Seite dazu, die eigene Tätigkeit zu beschreiben und die Motivation für die Stelle zum Ausdruck zu bringen. Hier muss das Rad nicht völlig neu erfunden werden. Es bietet sich an, wichtige Punkte aus dem Lebenslauf und dem Anschreiben aufzugreifen und nochmal etwas ausführlicher zu beleuchten. Der Hintergedanke dabei ist, dass die Routine im Alltag des Personalmitarbeiters dazu führt, dass der Lebenslauf nur flüchtig überflogen wird. Das Anschreiben wird unter Umständen gar nicht gelesen. Die 3. Seite kann hier dazu dienen, die Aufmerksamkeit des Lesers noch einmal zu fesseln und auf wichtige Punkte zu fokussieren.

Wozu dient die 3. Seite der Bewerbung?


Kurz zusammengefasst sind das die wichtigsten Faktoren:

  • wichtige Punkte aus dem Lebenslauf aufgreifen
  • ausführlichere Beschreibung
  • Aufmerksamkeit des Lesers zielgerichtet bündeln
  • Motivation für die Stelle zum Ausdruck bringen
  • mehr über die eigene Person sagen
  • Argumente liefern, warum man der richtige für die Stelle ist

Alles in allem kann man diese dritte Seite also auch als Werbung oder als Verkaufstext für die eigene Person sehen. Während das Anschreiben noch relativ neutral formuliert ist und der Lebenslauf in tabellarischer Form wenig Raum für schöne Formulierungen gibt, ist die 3. Seite genau dafür geeignet. Hier kann man frühere Tätigkeiten aufführen, Erfolge beschreiben, hier und da etwas Eigenlob platzieren.

Wie sieht die 3. Seite der Bewerbung aus?

Zunächst einmal handelt es sich um ein optionales Element in einer Bewerbung. Es muss also nicht verwendet werden. Auch die formalen Anforderungen sind nicht wirklich streng. Sicherlich sollte bei der Erstellung der 3. Seite darauf geachtet werden, dass die Form zum Rest der Bewerbung passt. Es sollte also die gleiche Schriftart, Schriftgröße usw. verwendet werden. Bei der Aufteilung der Seite werden Ränder, Abstände usw. nach DIN 5008 vewendet.

Die dritte Seite der Bewerbung wird als Fließtext erstellt. Ein tabellarischer Aufbau oder Stichpunkte eignen sich hier nicht, um die Funktion dieser zusätzlichen Seite zu erfüllen. Hier sollen ja wieder Emotionen geweckt bzw. ein erhöhtes Interesse nach Informationen befriedigt weden. Das geht am besten durch einen Fließtext. Dieser wird durch eine Oberüberschrift eingeleitet. Einzelne Abschnitte des Textes können dann durch Unterüberschriften voneinander abgetrennt werden.

Möglicher Aufbau:

  • Überschrift 1
  • Unterüberschrift 1
  • ….

  • Unterüberschrift 2
  • ….

    Datum, Ort
    Unterschrift

    Auf Unterüberschriften kann hier auch verzichtet werden. In dem Fall würde man die verschiedenen Punkte einfach in einzelnen Absätzen unterteilen.

    3. Seite Bewerbung – Muster / Beispiele

    Wie an anderer Stelle auch, wird hier darauf hingewiesen, dass die Verwendung von Bewerbungsvorlagen und Mustern aus dem Internet nicht sehr sinnvoll ist. Personaler, die jeden Tag unzählige Bewerbungen bearbeiten müssen, erkennen sehr schnell, ob es sich um ein individuelles Schreiben, oder ein leicht geändertes Muster handelt. Anregungen und Ideen kann man sich natürlich immer holen.

    Beispiel / Muster für eine dritte Seite der Bewerbung (Auszug):

    Was Sie noch über mich wissen sollten

    Ich bewerbe mich bei Ihrer Firma, weil ich seit Jahren die Entwicklung des Unternehmens verfolge und schon immer ein Teil dieses Erfolgs sein wollte. Ideal passt dazu meine Erfahrung, die ich als xxx bei xxx sammeln konnte. Über drei Jahre war ich hier angestellt und konnte ein sehr erfolgreiches Team von xxxx aufbauen. Sie suchen einen Mitarbeiter, der den Bereich xxx bei ihnen strukturiert, steuert und in eine erfolgreiche Zukunft führt? Ich bin dafür der richtige Mann. Schon seit 2006 habe ich den Bereich xxx bei xxx von 0 an aufgebaut. Dabei war ich für die Einstellung neuer Mitarbeiter ebenso verantwortlich wie für die Erstellung und Durchsetzung einer ausführlichen Strategie. Wir konnten innerhalb von 3 Jahren das Ergebnis der Abteilung deutlich verbessern. Unter anderem wurden die Umsätze verdoppelt. Die Erfahrungen und die Kompetenzen, die ich in dieser Zeit aufbauen konnte, stelle ich von nun an sehr gern in den Dienst Ihrer Firma.

    Neben meinen fachlichen Fähigkeiten möchte ich hier auch meine privaten Stärken beleuchten. Als Vater von zwei Kindern stehe ich mit beiden Beinen im Leben. Zusammen mit meiner Familie konnten wir auch schwierige Phasen überstehen. Das passt sehr gut zu den täglichen Anforderungen, die in einem Konzern, wie dem Ihren, auf mich warten. Ich fühle mich für die Aufgaben gerüstet und freue mich darauf, ein Teil des Teams zu werden …

    ….
    ….
    ….
    ….

    So oder so ähnlich könnte das Schreiben auf der dritten Seite der Bewerbung formuliert werden. Man kann hier etwas mehr Gas geben, als bei relativ formal gehaltenen Anschreiben. Was kann es schaden, wenn man diese Seite nutzt, um auch mal die eine oder andere ungewöhnliche Formulierung zu verwenden. Vielleicht macht es ja Eindruck.

    Dritte Seite sinnvoll oder nicht?

    Der Gedanke, sich durch eine solche dritte Seite von den anderen Bewerbern abzuheben, ist sicher nicht schlecht. Der Personalmitarbeiter hat zur Einschätzung der Kandidaten zunächst nur den Lebenslauf, das Anschreiben und vielleicht noch Zeugnisse zur Verfügung. Das ist nicht allzuviel. Erst im Bewerbungsgespräch kann man die Verantwortlichen wirklich von sich überzeugen. Die Bewerbung selber soll erstmal nur Aufmerksamkeit und Interesse wecken. Wenn das durch Anschreiben und Lebenslauf gut gelingt kann beim Leser der Bedarf nach weiteren Informationen entstehen. Wie wird das gelöst?

    Positives Szenario:

    1. Wunsch nach weiteren Infos
    2. 3. Seite liefert Infos
    3. Wunsch ist erfüllt – Bewerber eingeladen

    Negatives Szenario:

    1. Wunsch nach weiteren Infos
    2. 3. Seite liefert Infos
    3. diese zusätzlichen Infos schrecken ab
    4. Bewerber wird nicht eingeladen

    Man kann sich natürlich auch leicht ein solches negatives Szenario vorstellen. Der Leser formt sich im Kopf ein Bild des idealen Kandidaten. Dieses Bild wird durch knappe Informationen bestimmt. Je mehr Infos verfügbar sind, ohne den echten Menschen vor sich zu haben, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass das Bild ins negative abkippt.

    Weniger ist mehr?

    Ein Verzicht auf das 3. Blatt der Bewerbung würde dem „Weniger ist mehr“ Prinzip gerecht werden. Anstatt schon alle Trümpfe auszuspielen, lässt man den Leser neugierig zurück. Wenn dieser mehr erfahren will muss er schon ein Telefoninterview oder ein Bewerbungsgespräch durchführen. In dem hat man dann die Chance, durch persönliches Auftreten zu punkten.

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