Der Bewerbungstext


Die Einleitung ist bereits ein wichtiges Element in der Bewerbung. Hier wird die Aufmerksamkeit und in erster Instanz auch das Interesse des Lesers geweckt. Jetzt folgt der Hauptteil des Bewerbungstextes. Die wichtigste Aufgabe besteht jetzt darin, dass Interesse weiter auszubauen und (auch wenn es etwas anzüglich klingt) das Verlangen nach der eigenen Person zu gründen.

Man stelle sich nur vor, welche Emotionen bei einer Führungskraft, die bereits seit einiger Zeit auf der Suche nach einem passenden Kandidaten ist, durch einen gut formulierten Bewerbungstext geweckt werden können. Idealerweise ist es Euphorie, die beim zukünftigen Chef angefacht wird. Das zu erreichen ist natürlich nicht leicht. Mit einem Standardanschreiben ist es nicht zu schaffen. Auch einfach nur stupide die Berwerbung nach dem Motto „ihr seid toll“ – „ich bin toll“ – „wir passen gut zusammen“ herunterzuschreiben kann nicht der Königsweg sein.

Wir besinnen uns zurück auf das Modell der Werbepsychologie:

    • Aufmerksamkeit

Die Chance dafür hat man eigentlich nur in der Einleitung. Wer hier schwafelt, der hat die so wertvolle Aufmerksamkeit verloren.

    • Interesse

Interesse wurde idealerweise in der Einleitung geweckt. Jetzt heißt es, das zu untermauern!

    • Verlangen

Jetzt müssen Emotionen beim Leser geweckt werden. Dafür gibt es markante Formulierungen „idealer Kandidat“, „passt perfekt“…

    • Aktion

Der Aufruf zur Aktion kommt im Schlussteil

Wie kann das in Ansätzen geweckte Interesse jetzt weiter verfestigt werden?

Eine Möglichkeit besteht sicher darin, die Stellenanzeige zu spiegeln. Das sollte natürlich nicht einfach Zeile für Zeile runtergerattert werden. Nach dem Muster „Sie suchen einen Mitarbeiter mit 3 Jahren Erfahrung“ – „Ich habe 3 Jahre bei … gearbeitet“ vorgehen spricht nicht von allzu überschäumender Kreativität. Besser ist es hier sicherlich, einige der Tätigkeiten aus früheren Arbeitsverhältnissen hervorzuheben, die super zu der ausgeschriebenen Stelle passen. Man kann also kurz skizzieren, was man so gemacht hat. Perfekt ist es, wenn schon anhand dieser beschriebenen Tätigkeiten ein Bezug zu kommenden Aufgaben im neuen Job hergestellt wird. So nach dem Motto: „— habe unter anderem am Aufbau des Rechnungswesens mitgearbeitet“ – „… kann mit diesen Erfahrungen auch bei Ihrem Projekt nützlich sein…“.

Das Thema Soft Skills spielt zwar generell eine wichtige Rolle. Es bringt aber nicht wirklich viel, wenn im Hauptteil des Bewerbungstextes einfach nur solche Eigenschaften aufgezählt werden. Formulierungen wie „ich bin belastbar“, „ich bin kreativ“, „ich bin teamfähig“ oder „ich bin flexibel“ klingen zwar ganz nett, nehmen aber streng genommen nur wertvollen Platz weg. Interesse wird damit definitiv nicht geweckt oder untermauert. Der Grund liegt zum einen darin, dass Soft Skills einfach schwer zu beweisen sind. Prinzipiell kann jeder behaupten, dass er flexibel ist. Anders sieht das zum Beispiel bei Führungserfahrung aus. Wenn man nachweisen kann, dass man einige Jahre als Führungskraft gearbeitet hat, kann die Erwähnung dieser Eigenschaft durchaus Sinn machen.

Interesse wird eher durch Hard Skills geweckt!

Soft Skills sind eher schönes Beiwerk, ein so genanntes „Nice to have“. Hard Skills sind das, was das Interesse des zukünftigen Chefs oder des zuständigen Personalmitarbeiters weckt. Dieser hat im Kopf eine Schablone, wie er sich den perfekten Kandidaten vorstellt. Diese Schablone besteht sicher auch aus sozialen Eigenschaften, in erster Linie sind es aber harte Fakten, welche sie ausmachen.


Beispiele, was im Hauptteil erwähnt werden kann:

    • relevante berufliche Tätigkeit

„hab genau das schonmal gemacht“ | „sehr ähnliche Aufgaben bearbeitet“ | „jahrelange Erfahrung als…“

    • Positionsbezeichnung

„in einer identischen Position gearbeitet“ | „jahrelang als Manager für …“

    • Wichtige Projekte

„u.a. den Neuaufbau der Abteilung … vorangetrieben“ | „Einführung der Software … koordiniert“ | „das Thema … bearbeitet“

    • Art der Tätigkeit

„an Umsetzung mitgearbeitet“ | „Teil des Teams…“ vs. „eigenverantwortlich bearbeitet“ | „Strategie erarbeitet und umgesetzt“

    • evtl. Kunden?

„… Werbekampagne für … betreut“ | „verantwortlich für den Key Account … „

Es geht also nicht um die reine Aufzählung dieser Tätigkeiten, Funktionen usw. Vielmehr soll im Anschluss an die Nennung ein kurzer Bogen zur betreffenden Stellenanzeige geschlagen werden. Die Kunst liegt auch hier darin, das Ganze kurz und prägnant zu formulieren. Wer zum Beispiel „jahrelange Erfahrung im Kundenmanagement bei Firma …“ gesammelt hat, der hat dadurch gelernt „fachkundig mit Kunden umzugehen“ und wird das nutzen „um Ihre Bestandskunden im Bereich … kompetent zu betreuen“.

Wie weiter oben schon erwähnt ist es von fundamentaler Bedeutung, dass nicht einfach die Anforderungen aus dem Stellenschreiben übernommen werden. Es macht ein deutlich besseres Bild, wenn man aus den Anforderungen eigene Interpretationen ableitet, welche Fertigkeiten dafür gebraucht werden könnten und welche eigenen früheren Erfahrungen dazu gut passen. Durch diese Art der Interpretation von Stellenanzeigen zeigt man dem zukünftigen Arbeitgeber nicht zu letzt, dass man verstanden hat, worum es geht und was für Anforderungen üblicherweise für eine solche Position benötigt werden (neben denen, die direkt in der Stellenanzeige erwähnt werden).

Eigene Deutungen:

  • „Sicher können Sie auch jemanden gebrauchen, der zusätzlich diese Fähigkeiten mitbringt…“
  • „Dazu passen auch sehr gut meine Kenntnisse in…“
  • „Ich denke, hier ist auch eine gute Portion technischen Knowhows unabdingbar. Das bringe ich dank … mit“
  • „In dem Job wird man auch oft mit dem Programm … zu tun haben. Damit habe ich … gearbeitet“

Mit solchen Formulierungen sendet man ein wichtiges Signal an den Leser: „Da denkt einer mit“. So wird verdeutlicht, dass man sich wirklich mit Stelle auseinandergesetzt hat. Man kann diesen Fakt noch weiter führen und schon im Bewerbungstext Ideen bringen, wie das Unternehmen sich breiter aufstellen könnte, in welche Richtung die Strategie entwickelt werden könnte usw. Natürlich ist es schwer, so viel Inhalt auf eine A4 Seite zu bringen. Wer es schafft, hat die Aufmerksamkeit und das Interesse beim Leser aber sicher!

Das bestmögliche, was dem Leser beim Lesen durch den Kopf gehen kann?

  • „Wow, genau daran hab ich auch schon gedacht. Der denkt wie ich!“
  • „Genau danach hab ich gesucht!“
  • „Können wir super gebrauchen, hatte ich gar nicht auf dem Zettel.“
  • „Die würde super ins Team passen.“
  • „Genau die Skills fehlen uns hier noch“
  • „Den brauch ich unbedingt!“

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