Stellenanzeigen – wie finde ich mich darin wieder?


Im Prozess der Bewerbung sind wir jetzt an dem Punkt, dass wir recht genau wissen, wie unser berufliches Profil einzuordnen ist. Es ist also relativ klar, auf welche Art von Stellen wir uns jetzt bewerben können. Mit diesem Wissen konnten wir in den gängigen Jobbörsen einige möglicherweise passende Angebote finden. Nun folgt die Analyse der Stellenanzeige.

Hierbei geht es vor allem darum, herauszufinden ob die Stelle auch wirklich auf einen persönlich passt. Das ist in erster Linie wichtig, um sich unnötigen Aufwand zu sparen. Wer sich immer auf unpassende Stellen bewirbt, der bekommt schnell Absagen. Das beansprucht nicht nur die eigene Zeit, sondern schlägt irgendwann auch auf das Selbstbewusstsein. Über die Zeit kann sich so eine negative Einstellung zu Bewerbungen manifestieren („das wird ja eh nix“). Wenn zukünftige Anschreiben mit dieser Enstellung verfasst werden, sinkt die Chance auf eine erfolgreiche Bewerbung immer weiter. Wer also wirklich die unpassenden Stellenanzeigen von den passenden unterscheiden kann, der hat schon einen wichtigen Schritt hin zur idealen Berwerbung unternommen.

Ein paar Grundregeln zur Analyse von Jobanzeigen

  • Den perfekten Kandidaten gibt es nicht
  • In einer Stellenanzeige wird meist der Traumkandidat beschrieben. Alle Beteiligten wissen aber, dass es den so nicht gibt. Also nicht abschrecken lassen, wenn mal 1-2 Anforderungen nicht auf einen selber passen.

  • „Idealerweise“
  • Das Wort taucht oft in Bewerbungen auf. „Idealerweise Führungserfahrung…“, „Idealerweise aus der Branche…“, „Idealerweise Muttersprachler…“. Sicherlich freuen sich die Personaler, wenn jemand diese Anforderungen erfüllt. Die Verwendung des Wortes soll aber gerade auch Leute zur Bewerbung ermutigen, die nicht in dieses Ideal passen.

  • Nicht alles zu wörtlich nehmen
  • Oft liest man Formulierungen, wie „Sie haben mind. 4 Jahre Erfahrung…“. Wer jetzt mit nur 2-3 Jahren Erfahrung kommt, den schreckt das unter Umständen ab. Solche Formulierungen sind in der Regel nicht zu wörtlich zu nehmen. Gerade in Zeiten des Fachmangels, der viele Branchen betrifft, müssen die Entscheider Kompromisse eingehen, was die Qualifikation des Personals betrifft.

Ein kleines Beispiel

Referent / Referentin für Kommunikation und Marketing
 
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Ihre Aufgaben:

  • eigenverantwortliche Leitung und Umsetzung von Einzel­projekten im Bereich Marketing
  • Mitgestaltung der Markenkommunikation des XXX
  • Umsetzung von Maßnahmen in der Markenkommunikation
  • Veranstaltungsmanagement
  • Entwicklung von passgenauen Kommunikations- und Marketingmaßnahmen (online / offline), auch im Rahmen
    des Veranstaltungsmanagements
  • Beteiligung an der Entwicklung von Marketingstrategien

Ihr Profil:

  • abgeschlossenes wissenschaftliches Hochschulstudium in Kommunikation oder Marketing oder vergleichbare Quali­fi­kationen, Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen
  • mindestens dreijährige Erfahrung im Marketing eines Unter­nehmens inklusive Entwicklung und Umsetzung von Kommu­nikations- und Marketingstrategien
  • gute MS Office-, Marketing-, Eventmarketing-, Such­maschinen­kenntnisse
  • wünschenswert: hohe Affinität zum Gesundheitswesen, Kenntnisse der Gesundheitswirtschaft
  • Teamfähigkeit, Kreativität, Zuverlässigkeit, Organisations­sgeschick, Flexibilität

 
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Der Aufbau einer Stellenanzeige ist immer ähnlich. Grob besteht sie aus 4 Themenbereichen. Im oberen Bereich stellt sich das Unternehmen vor und versucht die Vorteile einer Anstellung zu beschreiben. Typische Sachen, die hier erwähnt werden sind Zahl der Angestellten, Postition des Unternehmens am Markt, betriebliche Leistungen, Kantine, Urlaubsanspruch usw. Damit soll dem Kandidaten das Unternehmen erst mal schmackhaft gemacht werden.

Die nächsten Abschnitte beschäftigen sich mit den Aufgaben des neuen Mitarbeiters, dem Anforderungsprofil und mit den Kontaktinformationen. Für die meisten Arbeitssuchenden werden Anforderungsprofil und Aufgabenbeschreibung am wichtigsten sein. Hier muss man sich quasi wiedererkennen und versuchen, die eigenen Fähigkeiten mit den Anforderungen abzugleichen.

Die Aufgaben

Am oben genannten Beispiel sind die Aufgaben schnell analysiert. Der Kandidat muss sich darauf gefasst machen, folgende Themen zu berarbeiten:

  • Marketingkommunikation planen, gestalten, umsetzen
  • Das wird in den 3 ersten Stichpunkten beschrieben. „Eigenverantwortliche Leitung […] von Einzelprojekten“ sagt schonmal aus, dass man Projektverantwortung bekommt, aber nicht den gesamten Marketingmix leitet. Es ist also keine Führungsposition. Gestaltungsmöglichkeiten in eigenen Projekten sollten aber gegeben sein.

  • Dazu gehört auch Veranstaltungsmanagement
  • Als Zusatz zu den schon erwähnten Aufgaben in der Marketingkommunikation wird explizit das Veranstaltungsmanagement erwähnt. Man kann daraus schließen, dass ein Großteil der Arbeit sich mit diesem Thema befasst. Die Firma scheint also ihr Marketing stark auf Veranstaltungen auszurichten. Schon hier kann man jetzt mit dem eigenen Skill-Profil abgleichen. „Habe ich bereits Firmenstände auf Messen betreut und organisiert?“, „Habe ich Erfahrung im direkten Kundenkontakt auf Messen?“ Es ist davon auszugehen, dass die Personen, die über die Kandidaten entscheiden, genau diese Fragen in der Bewerbung beantwortet sehen wollen.

  • Entwicklung von Strategien
  • Zu guter letzt wird nochmal erwähnt, dass es hier nicht darum geht, komplett eigene Strategien zu entwickeln. Dafür scheint der Vorgesetzte verantwortlich zu sein. Mitarbeiter werden aber insbesondere dadurch motiviert, indem sie an der Erarbeitung von Strategien beteiligt werden, eigene Ideen einbringen können usw. Das wird in dieser Stellenanzeige suggeriert. Wie es in der Praxis tatsächlich aussieht, ist eine andere Frage.

Das Anforderungsprofil

Schon in der Beschreibung der Aufgaben sieht man ungefähr, welche Kenntnisse und Fertigkeiten man für den Job mitbringen muss. Im Anforderungsprofil wird das noch einmal konkretisiert:

  • Die Ausbildung
  • Zunächst wird immer auf die geforderte Ausbildung eingegangen. In dem Beispiel wird ein Hochschulabschluss gewünscht. Mit dem Zusatz der „vergleichbare(n) Qualifikationen“ wird aber auch deutlich, dass Kandidaten ohne Studium mit entsprechender Erfahrung eine Chance haben. Mit einem Fachwirt oder ähnlicher Qualifikation kann man sich hier sicher auch bewerben.

    Das Fach, in dem die Ausbildung absolviert wurde, sollte möglichst thematisch zur Stelle passen. Ein wirtschaftliches Studium wird bevorzugt, wenn jetzt aber ein Kandidat ohne wirtschaftliches Studium mit vielen Jahren Erfahrung in einer ähnlichen Position kommt, dann sollte das kompensierend wirken. Natürlich entscheiden am Ende immer Menschen. Und die stellen gern Leute ein, die ihnen ähnlich sind. Wenn der Entscheider als selber BWL studiert hat, dann wird er entsprechende Kandidaten bevorzugen.

  • Die Berufserfahrung
  • Hier geht es um die Zahl der Jahre und um das Fachgebiet, in dem man gearbeitet hat. Unternehmen wollen durch diese Angaben ungefähr klar stellen, welches Erfahrungslevel sie erwarten. Es würde hier keinen Sinn machen, sich zu bewerben, wenn man bislang nur 6 Monate Praktika Erfahrung hat und Uniabsolvent ist. Genauso sinnlos ist es wahrscheinlich, sich mit 10 Jahren relevanter Erfahrung zu bewerben. Die Firma weiß genau, wieviel Gehaltsbudget für diese Position frei ist und welcher Erfahrungslevel diesem Budget entspricht. In der Berufserfahrung sollte sich natürlich auch wiederspiegeln, dass man auf die Position passt.

  • Hard Skills und Soft Skills
  • Die letzten beiden Punkte sprechen konkret Hard- und Soft Skills an. Hier werden also auf der einen Seite Fach- und EDV Kenntnisse verlangt. Auf der anderen Seite werden typische Soft Skills, wie Flexibilität, Teamfähigkeit usw. gewünscht. Das konkrete Fach- und EDV Wissen kann durch Zertifikate, Berufserfahrung usw. nachgewiesen werden (der Zusatz „wünschenswert“ verdeutlicht, dass es sich hier nicht um entscheidende Anforderungen handelt). Bei den Softskills ist das schon deutlich schwieriger. Hier kann man z.B. versuchen, auf erfolgreiche Teamprojekte zu verweisen.

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