Sprachkenntnisse im Lebenslauf


Globalisierung und dynamische internationale Märkte sorgen dafür, dass Firmen immer weniger nur im eigenen Land aktiv sind, sondern mit Außenstellen oder über Geschäftspartner auf der ganzen Welt mitspielen. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch an die Arbeitgeber hohe Anforderungen in Hinsicht Sprachkompetenzen und interkulturelles Knowhow gestellt werden.

Sicherlich muss man nicht fließende Englischkenntnisse nachweisen, wenn man sich auf eine Stelle bei einer regionalen Bank bewirbt, doch sobald potentieller Kontakt zu Kunden und Geschäftspartnern aus dem Ausland möglich ist, können Sprachkenntnisse den Unterschied machen. Die effektivste Möglichkeit, auf gute Sprachkenntnisse zu verweisen, stellt der Lebenslauf dar. Sprachkenntnisse im Bewerbungsschreiben zu erwähnen lohnt sich meist nur, wenn die Stelle diese explizit voraussetzt.

Es gibt allgemein gültige Formulierungen, wie das Sprachniveau im Lebenslauf angegeben werden kann. An diese sollte man ich bei der Bewerbung halten, um keine Unklarheiten aufkommen zu lassen.

Sprachniveau:

  • Basiswissen
  • Wer eine Fremdsprache 2-3 Jahre in der Schule hatte und dort auch noch mit einer eher schlechteren Note abgeschlossen hat, der verfügt maximal über die Grundkenntnisse. Das trifft auch zu, wenn man die Sprache später nie großartig wiederholen oder einsetzen musste. Man weiss zwar über den grundlegenden Aufbau der Sprache bescheid und kann vielleicht noch leichte Sätze verstehen und selber formulieren. Aber eine wirkliche Konversation ist nicht möglich.

  • Erweiterte Grundkenntnisse
  • In dem Fall kann man sich in der Sprache auf niedrigem Niveau verständlich machen. Einfache Konversationen, wie etwa im Urlaub, sind möglich. Um komplexe Texte zu verstehen oder auch längere Gespräche zu führen fehlt hier aber noch einiges. Der verfügbare Wortschatz ist eher eingeschränkt und in Gesprächen werden eigentlich immer die gleichen Wörter genutzt. Satzbaufehler kommen regelmäßig vor.

  • Gute Kenntnisse / Konversationssicher
  • Wer gute Sprachkenntnisse angibt, der vermittelt beim Leser der Bewerbung den Eindruck, dass einfache Gespräche des Alltags ohne Probleme möglich sind. Dafür steht ein ordentlicher Satz an Vokabeln zur Verfügung. Es bereitet keine Mühe, diese in sinnvolle Satzzusammenhänge zu packen und so ein sicheres und verständliches Gespräch zu führen. Schwierigkeiten könnten hier bei komplexen oder Fachgesprächen entstehen. Auch der schriftliche Ausdruck in der Sprache ist dann noch ausbaufähig.

  • Fließend / Verhandlungssicher
  • Durch längere Auslandsaufenthalte oder auch frühere Jobs mit viel Kommunikation in der entsprechenden Sprache beherrscht man diese nun fließend. Es bereitet überhaupt keine Probleme, Muttersprachler zu verstehen und sich mit diesen auch auf einem hohen Niveau zu verständigen. Fachgespräche und tiefgehende Verhandlungen bereiten keine Mühe. Es erfordert keine größeren Anstrengungen, sich in der Sprache auszudrücken.

  • Muttersprachler
  • Dieses Sprachniveau erklärt sich quasi von selbst. Wer mit der Sprache aufgewachsen ist, hat (in den meisten Fällen) ein sehr hohes Niveau in derselben. Interessant ist das Niveau des Muttersprachlers bei Bewerbern, die zweisprachig aufgewachsen sind. Die Frage ist, wie diese Zweisprachigkeit nachgewiesen werden kann.

Im Bewerbungsschreiben sollten Sprachkenntnisse nur dann erwähnt werden, wenn sie für die Stelle wirklich erforderlich sind und auch im Lebenslauf muss nicht alles aufgeführt werden. Gerade Sprachen, in denen man lediglich über ein Basiswissen verfügt, brauchen nicht erwähnt zu werden. Das nimmt nur unnötig Platz weg und vermittelt im schlechtesten Fall den Eindruck, dass sich hier jemand kompetenter darstellen will, als er wirklich ist.

Der Europäische Referenzrahmen

Da es oft schwer ist, die Sprachkenntnisse anhand der oben angegeben Niveaustufen einzuschätzen und die internationale Vergleichbarkeit so schon gar nicht gewährleistet ist, wurde ein gemeinsamer europäischer Referenzrahmen entworfen, über den das sprachliche Niveau sich messen lässt.

Die Kompetenzstufen:

  • A1
  • Ganz einfache Sätze und Formulierungen können verstanden werden. Auf einfache Fragen kann man grundlegend antworten.

  • A2
  • Gebräuchliche Formulierungen werden verstanden. In einfachen Situationen kann man sich verständig machen.

  • B1
  • Wenn die Sprache deutlich und klar ist kann man die wichtigsten Sachen verstehen (solange sie nicht aus einem Bereich kommen, in dem man sich nicht auskennt). Kurze Begründungen und Erklärungen sind möglich.

  • B2
  • Fachtexte können im Großen und Ganzen verstanden werden. Kurze fließende Gespräche mit Muttersprachlern sind möglich.

  • C1
  • Auch anspruchsvolle Texte werden gut verstanden. Sprache kann jederzeit flexibel eingesetzt werden. Es muss nicht ständig wegen fehlenden Vokabeln überlegt werden.

  • C2
  • Es wird quasi alles verstanden und man kann sich jederzeit mühelos ausdrücken. Auch Fachthemen, in denen man sich nicht auskennt können verbal abgehandelt werden.

Wer im Lebenslauf mit diesen Angaben arbeiten möchte, der muss diese natürlich durch erfolgreich bestandene Sprachzertifikate nachweisen. Davon gibt es jede Menge. An Hochschulen werden entsprechende Sprachkurse neben den normalen Fächern angeboten. Dazu können Sprachzertifikate zur Erhöhung des Sprachniveaus auch an Volkshochschulen abgelegt werden. Es bietet sich nicht an, im Lebenslauf die eigenen Sprachkenntnisse mit diesem Referenzrahmen anzugeben, wenn man dies nicht nachweisen kann. Anders ist das bei den deutlich allgemeineren Niveaustufen von Basiswissen bis Muttersprachler. Hier kann man das eigene sprachliche Niveau quasi selber einschätzen.

One thought on “Sprachkenntnisse im Lebenslauf

  1. Anna

    Und was ist mit denen, die die deutsche Sprache so gut wie die eigene Muttersprache beherrschen? Ich bin Deutschlehrerin und unterrichte die deutsche Sprache und Literatur. Meine Schüler sind Deutsch-Muttersprachler und die Eltern wissen, dass ich eigentlich kein „echter“ Muttersprachler bin, lieben mich aber trotzdem und haben große Achtung vor mir und meinem Unterricht. Sie kennen mich aber, sie hören, wie ich rede. Was ist aber wenn ich mich woanders bewerben muss und dann nicht weiß, was ich im Lebenslauf angeben darf/muss/soll??? Das ist eine sehr interessante Frage, die ich an Sie stelle und hoffe, dass Sie sie mir bald beantworten werden.
    Eine weitere Frage wäre: Dadurch, dass meine Tochter dauernd im Ausland aufwächst, ist ihre Muttersprache viel schwächer als ihre Zweitsprache oder ihre Drittsprache (sie spricht drei Sprachen). Welche Sprache bezeichnet man dann als ihre Muttersprache? Die der Mutter, des Vaters oder die Umgebungssprache? Wir haben keine einheitliche Familiensprache. Ich spreche mit ihr in meiner Muttersprache, mein Mann in seiner und die Schule ist auf Englisch. Dieser Sonderfall ist im Übrigen nicht so selten, wie man denkt. Die meisten meiner Schüler sprechen zwei Sprachen, viele von ihnen sogar drei. Was werden sie später in ihren Bewerbungen angeben müssen? Für Ihre Antwort wäre ich Ihnen sehr verbunden.

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